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Reparieren oder neu kaufen?

Kurz: Reparieren lohnt sich, wenn das Ersatzteil lieferbar ist, die Reparatur deutlich weniger kostet als das, was Dir das Gerät noch wert ist, und das Gerät kein Stromfresser im Dauerbetrieb ist. Das sind drei Fragen, keine Prozentzahl — und die Antworten stehen im Kostenvoranschlag, nicht im Bauchgefühl.

Im Netz kursieren Faustregeln wie „Reparatur nur, wenn sie unter der Hälfte des Neupreises liegt" oder Tabellen, die je Gerät ein Höchstalter nennen. Sie klingen präzise und sind es nicht: Ein Neupreis von vor acht Jahren sagt nichts darüber, was ein vergleichbares Gerät heute kostet, und das Alter allein sagt nichts über den Zustand. Wir schlagen stattdessen drei Fragen vor, die Du in dieser Reihenfolge beantwortest.

Frage 1: Gibt es das Ersatzteil noch?

Das ist die Vorfrage, denn ohne Teil keine Reparatur. Für viele Gerätearten schreiben EU-Ökodesign-Verordnungen den Herstellern vor, wie lange sie Ersatzteile vorhalten müssen — bei Waschmaschinen, Geschirrspülern und Kühlgeräten seit 2021, bei Smartphones und Tablets seit Juni 2025, bei Fernsehern seit 2021. Die Fristen laufen ab dem Ende des Verkaufs des Modells und reichen je nach Produktgruppe bis zu zehn Jahre. Für Geräte aus diesen Gruppen gilt seit dem 31. Juli 2026 außerdem die Reparaturpflicht des Herstellers: Er muss auf Verlangen reparieren, solange er Ersatzteile vorhalten muss.

Für alles andere — Kaffeevollautomaten, Laptops, Werkzeug, Kleingeräte — entscheidet der Hersteller selbst, wie lange er Teile liefert. Ob er das tut, steht auf unseren Markenseiten; wie Du ein Teil findest, im Ratgeber Ersatzteile finden. Ist das Teil nirgends mehr zu bekommen, auch nicht gebraucht, ist die Frage beantwortet.

Frage 2: Was kostet die Reparatur — und was ist Dir das Gerät noch wert?

Hier hilft nur ein Kostenvoranschlag. Beschreib den Fehler so genau wie möglich; viele Werkstätten nennen dann eine Spanne, ohne das Gerät gesehen zu haben. Für Geräte mit Reparaturpflicht müssen Hersteller außerdem Richtpreise für typische Reparaturen auf ihrer Website veröffentlichen (§ 479d BGB) — die Seite Deiner Marke verlinkt den Kundendienst, auf dem sie stehen sollten. Und Reparaturbetriebe können Dir das Europäische Formular für Reparaturinformationen geben: ein standardisierter Kostenvoranschlag, an den sie 30 Tage gebunden sind.

Auf der anderen Seite der Rechnung steht nicht der alte Neupreis, sondern das, was Du heute für ein Gerät ausgeben würdest, das dasselbe kann — und was Dir das vorhandene noch an Nutzungsjahren bringt. Eine Waschmaschine, die sechs Jahre problemlos lief und jetzt eine neue Pumpe braucht, hat gute Chancen auf weitere sechs Jahre. Ein Gerät, das schon zum dritten Mal in der Werkstatt ist, eher nicht. Je größer der Abstand zwischen Reparaturkosten und Neupreis, desto klarer die Entscheidung; liegt die Reparatur nahe am Neupreis, sprechen nur noch besondere Gründe für sie — ein Einbaugerät, das exakt passt, ein Gerät, das Du magst, ein Modell, das es so nicht mehr gibt.

Wohnst Du in Sachsen oder Österreich, verschiebt der Reparaturbonus die Rechnung: Dort erstattet das Land beziehungsweise der Bund die Hälfte der Kosten bis zu einer Obergrenze.

Frage 3: Frisst das Gerät Strom?

Das Argument „ein neues Gerät ist sparsamer" stimmt, aber es zählt nur bei Geräten, die dauernd laufen. Beim Kühl- und Gefriergerät kann der Unterschied zwischen einem sehr alten und einem neuen Modell über die Jahre die Reparaturkosten übersteigen — messen statt schätzen: ein Steckdosen-Messgerät für eine Woche, hochgerechnet aufs Jahr, verglichen mit dem Jahresverbrauch auf dem Energielabel eines Neugeräts. Beim Wäschetrockner gilt Ähnliches, wenn das alte Gerät keine Wärmepumpe hat und Du viel trocknest.

Bei Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, Staubsauger oder Kaffeevollautomat ist der Verbrauch dagegen vor allem eine Frage der Nutzung — Temperatur, Programme, Häufigkeit. Dort spart ein Neugerät wenig, und die Herstellung des neuen Geräts kostet Energie und Rohstoffe, die in keiner Stromrechnung auftauchen. Rechnet sich der Neukauf über den Verbrauch erst nach mehr als zehn Jahren, ist die Reparatur die bessere Wahl.

Wann die Faustregel nicht gilt

Die Entscheidung in fünf Schritten

  1. Fehler eingrenzen: Was genau passiert, seit wann? Oft ist die Ursache banal — Sieb, Filter, Kabel. Für die häufigsten Fälle gibt es eigene Ratgeber, etwa Waschmaschine pumpt nicht ab oder Handy-Display kaputt.
  2. Prüfen, ob Gewährleistung oder Garantie greift. Wenn ja: Händler oder Hersteller, kostenlos.
  3. Marke nachschlagen: Kundendienst, Ersatzteilshop, Reparaturprogramm — auf unseren Markenseiten.
  4. Kostenvoranschlag einholen — wann er etwas kosten darf, steht im Ratgeber Kostenvoranschlag bei Reparaturen; bei Geräten mit Reparaturpflicht ausdrücklich nach § 479b BGB reparieren lassen.
  5. Reparaturkosten gegen heutigen Neupreis, Restnutzung und — bei Dauerläufern — Verbrauch stellen. Dann entscheiden.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter lohnt sich die Reparatur eines Haushaltsgeräts nicht mehr?
Es gibt keine feste Grenze. Entscheidend sind drei Dinge: ob das Ersatzteil noch lieferbar ist, wie das Verhältnis von Reparaturkosten zu dem ist, was Dir das Gerät noch wert ist, und ob das Gerät ein Dauerläufer mit hohem Stromverbrauch ist. Ein zwölf Jahre alter Herd mit defektem Heizkörper ist eine gute Reparatur; ein zwölf Jahre alter Kühlschrank mit Kompressorschaden meist nicht.
Muss ich für einen Kostenvoranschlag bezahlen?
Das darf der Betrieb verlangen, wenn eine Diagnose nötig ist — er muss Dich aber vorher darauf hinweisen. Viele Werkstätten verrechnen die Diagnosegebühr bei Auftrag. Hersteller müssen für Geräte mit Reparaturpflicht Richtpreise für typische Reparaturen veröffentlichen (§ 479d BGB).
Zählt der Stromverbrauch wirklich so stark?
Nur bei Geräten, die dauernd oder sehr oft laufen — Kühl- und Gefriergeräte vor allem, mit Abstrichen Wäschetrockner. Bei Waschmaschine, Geschirrspüler oder Fernseher hängt der Verbrauch mehr von der Nutzung als vom Baujahr ab; dort ist die Reparatur fast immer auch die sparsamere Wahl.

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